DAS GEHEIMNIS DER SCHACHBRETTSTEINE

 

 

Lage der Steine an den Mauern der Kirchen

 

·  in Brandenburg

·  in Mecklenburg-Vorpommern

·  in Polen

·  in Dänemark

 

 

 

Fotos der Kirchen und der Schachbrettsteine

 

·  in Brandenburg

·  in Mecklenburg-Vorpommern

·  in Polen

·  in Dänemark

 

Siehe auch:  www.schachbrettsteine.de

 

Matthias Dautz schreibt in dem Fernsehbeitrag des rbb zur Sendung „Theodor“ vom 9.1.2011:

"Eine ganze Reihe von Kirchen im Oderland hat einen sogenannten Schachbrett-Stein im Sockel. Bis heute streiten die Historiker, was es damit auf sich hat.

An neun Kirchen in Märkisch Oderland findet man ein seltsames Phänomen:
Mitten im Feldsteinsockel befinden sich sogenannte Schachbrettsteine. Interessant ist, dass solche Schachbrettsteine nur in Schweden, Jütland und 100 Kilometer östlich und westlich der Oder zu finden sind. Bis heute rätseln Wissenschaftler, welche Bedeutung sie haben.

Die Steine sind anscheinend keine Schmuckelemente, dazu ist der Ort der Anbringung eher ungeeignet. Da die Kirchen im Machtbereich der Askanier entstanden, liegt die Vermutung nahe, dass sie Elemente ihres Wappens anbrachten.
Eine weitere Hypothese besagt, es könnte sich um Zunftzeichen der Steinmetze handeln, die die Kirchen errichteten. Der Historiker Reinhard Schmook vertritt die Ansicht, dass mit diesen Schachbrettsteinen böse Geister ferngehalten werden sollten."

 

Durch diese Sendung bin ich auf Schachbrettsteine aufmerksam geworden- Ich hatte zwar vor einigen Jahren schon zufällig welche gesehen, sie aber nicht weiter beachtet. Nun aber erwachte mein Interesse und ich besuchte die Kirchen, von denen ich durch Recherchen wusste, dass sie einen solchen Stein (oder gar mehrere) in ihren Mauern verbaut haben.

 

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Reinhard Tiersch gab mir diese Erklärung:

 

Zur Bedeutung der Schachbrettsteine rechts und links der Oder

In jetzt deutschen und polnischen Orten rechts und links der Oder findet man an alten Feldsteinkirchen „Schachbrettsteine“.
An den ansonsten schmucklosen Feldsteinkirchen befinden sich ein oder auch mehrere Feldsteinquader im Mauerwerk, die ein Schachbrett–Muster ziert.
Diese Kirchen stammen alle aus der Zeit der Christianisierung unserer Gegend im 13. Jahrhundert. Sie ersetzten die bisherigen religiösen Heiligtümer der hier ansässigen Slawen, vor allem der damaligen Pommern. Die christlichen steinernen Kirchen wurden dabei als neuer religiöser Mittelpunkt erstmalig direkt im Mittelpunkt des Ortes errichtet. In dieser Zeit änderte sich auch der bisherige Totenkult grundlegend. Die Toten wurden nun erstmalig in Gräbern auf dem mit einer Mauer umgebenden Kirch- bzw. Friedhof direkt neben der Kirche bestattet und nicht mehr nach ihrer Verbrennung in Urnen außerhalb der Ortschaften an heiligen Stellen vergraben.

Das Schachbrett war schon vor dieser Zeit als Todes-Schach-Sinnbild von den Persern beschrieben worden:

Spielzeuge sind wir, wie´s dem Himmel gefällt.
Das ist wahr, kein Gleichnis; das Schachbrett der Welt
Sieht etwas uns spielen, bis eins nach dem andern
Zurück in den Kasten des Nichtseins fällt.
Omar Chajjam (1048 - 1131)

So nimmt es nicht Wunder, dass man dieses Todes-Sinnbild an der Kirchenwand vom Ort der neuen Begräbnisstätten aus sehen konnte.

Schachbrettsteine findet man einerseits östlich und westlich der Oder von der Ostsee bis zu Lausitz, andererseits im damals dänischen Raum, besonders in Nordjütland. Es ist im jetzigen Deutschland und Polen das gleiche Gebiet in dem damals die Pommern unter Einfluss der Dänen nach Süden vordrangen. (Kloster Zinna und Jüterbog wurden damals durch die Pommern zerstört.)

Die Bedeutung des Schachs als Symbol war damals sehr geläufig. So heißt es in einer damaligen Schrift:

„Die ganze Welt gleicht einem Schachbrett, dessen Felder abwechselnd weiß und schwarz sind als Symbole für doppelten Sinn von Leben und Tod, Gnade und Sünde. Die Steine des Schachspiels sind wie die Menschen dieser Welt; sie alle sind gleich bei der Geburt und haben im Leben verschiedene Aufgaben, werden auf verschiedene Posten gestellt und tragen verschiedene Titel. Der eine wird König, der andere Dame genannt, der dritte Turm, der vierte Ritter, der fünfte Bischof, der sechste Bauer. Aber wenn das Spiel zu Ende ist, kommen sie alle wieder zusammen, wie die Menschen an demselben Platz. Da gibt es keinen Unterschied mehr zwischen dem König und dem armen Bauern; denn oft geschieht es, wenn die Steine einfach in den Kasten geworfen werden, dass der König ganz unten liegt – wie mancher der Großen der Welt sich finden wird nach seinem Übergang von dieser Welt in eine andere.“

 

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Der Experte in Sachen Schachbrettsteine Dr. Eberhard Bönisch hat in mehreren Publikationen über dieses Phänomen berichtet. In einem Beitrag der "Lausitzer Rundschau" vom 21.11.2011 wird von einem Stammtisch der Heimatfreunde von Calau mit Dr. Bönisch berichtet (siehe: http://www.lr-online.de/regionen/Phaenomen-mit-dem-Schachbrettstein;art96089,3577311):

"Die Theorien zu diesen Schmuckelementen reichen von vielfältig bis abenteuerlich. Dr. Bönisch bezog sich da lieber auf klar erkennbare Zusammenhänge. „Interessant ist das Verbreitungsgebiet: In der Niederlausitz, Märkisch-Oderland, der Neumark, dem Barnim und in der Uckermark sind diese Zierelemente in unterschiedlichen Formen vorhanden. Es könnte sogar früher zusammengehörende Kirchengruppen betreffen“, so Dr. Bönisch. Weiterhin tauchen Schachbrettsteine verstärkt in Dänemark auf, besonders in Jütland sowie in Südschweden. Dänemark beherrschte einst die Ostsee, Südschweden war dänisch besetzt und die Dänen zogen entlang der Oder nach Süden. Waren vielleicht die Dänen in Calau? Stehen die Steine im Zusammenhang mit dem Wappen der Askanier? Oder ist es nur eine überliefert simple Tradition der Steinmetze?"

 

 

Schachbrettsteine in Brandenburg    Schachbrettsteine in Mecklenburg-Vorpommern

 

Schachbrettsteine in Polen/Neumark            Schachbrettsteine in Dänemark/Nord-Jütland